Kirgisistan zum Ersten

Nachdem alle Grenzformalitäten geklärt waren, konnte es losgehen nach Bishkek zu Mikel. Auf der Karte hatten wir uns schlau gemacht, es waren nur etwa 90 Kilometer zu bewältigen, doch die stellten Johannes auf die Probe. Von der Strecke war 95 Prozent bebaut, wodurch wir maximal 60 km/h fahren durften und zudem ging es oft mitten durch Dörfer und Städte, welche infolge des Feierabendverkehrs und Fussgänger verstopft waren. Nach nervenaufreibenden drei Stunden kamen wir endlich an. Unglaublich gross war bei uns allen die Wiedersehensfreude!! Für die ersten Tage zogen wir bei Mikel in die Wohnung ein und machten erst einmal nicht viel ausser uns von der ganzen Fahrerei zu erholen. Wir frühstückten immer zusammen und abends wurde gross und lecker gekocht. Nach fünf Nächten verabschiedeten wir uns, da Mikel als Guide auf eine Trekkingtour ging und für uns begann das Abenteuer Kirgisistan. Wir wollten es gemütlich angehen, hatten wir zur Zeit keine Lust mehr auf zu viel Fahrerei. Wir deckten uns mit Lebensmittel ein und fuhren aus der Stadt. Es war schon Mittag und nach einer drei stündigen Pause fuhren wir gegen Abend weiter. Ein Ziel hatten wir schon vor Augen, doch es sollte anders kommen. Wir waren noch auf der Suche nach Trinkwasser und in einem der Dörfer fragten wir die Einwohner nach einem Brunnen. Nach längerer Diskussion kam plötzlich Renault mit einem Einheimischen zu uns. Es stellte sich heraus, dass er gerade seinen Landcruiser von einem Deutschen reparieren liess. In diesem Dorf, Rot-Front, lebten früher ausschliesslich deutschte Familien und nur zehn Familien sind geblieben. Wir durften Wasser tanken und Renault erklärte uns, dass er bei einer französisch Familie (die Ehefrau ist Kirgisin und der Ehemann Franzose) stehe, vielleicht könnten wir auch dorthin kommen. Dabei handelt es sich um eine Familie, die Pferdetrekkings organisiert. Die 4 jährige Tochter Maëlys freute sich riesig über ihren neuen Bruder, lenkte ihn ab, wenn er weinte und spielte mit ihm.

Die zwei neuen Geschwister
Mattis hat seinen ersten Kontakt mit Pferden

Die Zeit bei der Familie war richtig toll und wir halfen auch bei einigen Arbeiten auf dem Hof, sollten doch bald die ersten Gäste ankommen.

Aufstellen der Jurte im Garten
Pferde behufen

Wir verschoben den Abschied Tag für Tag und nach vier Nächten machten wir uns abends auf zu dem Platz, wo wir von Anfang an hin wollten. Nach ca. 10 km kamen wir beim Burana Turm an, bei welchem es sich wahrscheinlich um ein Überbleibsel eines ca. 1000 jährigen Minaretts handelt. Zudem wurden bei Ausgrabungen Steinzeichnungen, alte Mühlräder und diverse in Stein gehauene Skulpturen entdeckt.

Der schiefe Turm von Burana
Skulpturen in Burana

Nach einer ruhigen Nacht ging es weiter nach Tokmok, wo wir uns auf dem Basar gross eindeckten, da wir in die Berge wollten. Nun ging es gemütlich weiter, bei schönstem Wetter schlängelten wir uns durch diverse Täler und passierten einen wunderbar schönen, türkisenen See. Eigentlich wollten wir heute noch bis zur Abzweigung zum Song Kol See fahren, doch es kam ein wenig anders. Als wir bei Kochkor abbogen, wurde die Strasse immer schlechter, viele Schlaglöcher spickten die Strasse, weshalb Johannes auf dem Pass beschloss, die Luft aus den Reifen zu lassen. Nicht schlecht staunte er, als er bemerkte, dass ein Ersatzrad fehlte. Nur, wo konnte es sein? Glücklicherweise kam bald ein Auto und er fragte die Insassen, ob sie unseren Reifen gesehen hatten. Sie erklärten dann, dass wir ca. 2 km zurückfahren müssten und der Reifen ca. 600 m von der Strasse entfernt sei. Nach ein paar Diskussionen boten sie uns an, mit uns den Reifen zu holen. Einer fuhr mit und wir konnten es fast nicht glauben, der Reifen fiel während der Fahrt ab, überquerte die Strasse, rollte einen Abhang hinunter und legte sich unten ins Bachbett. Da hatten wir echt nochmal Glück gehabt, ohne den Hinweis hätten wir ihn nicht mehr gefunden.

Ganz unten im Bachbett lag der Reifen, zum Glück konnten wir mit Emma runterfahren

Nun wurde es schon langsam dunkel und wir schlängelten uns die Piste runter, bis wir einen Platz auf einer Wiese gefunden hatten. Am nächsten Tag fuhren wir ins letzte Dorf, füllten nochmals unsere Wassertanks und dann ging es auf einer unglaublich schönen Strecke, zuerst durch einen Canyon und dann auf einer Serpentinenstrasse auf einen Pass. Von dort aus hatten wir den besten Ausblick über den Song Kol See.

Zuerst ging es durch einen Canyon…
… und dann hoch auf den Pass
Aussicht zum Song Kol See

Dann ging es über seichte Grashänge teils in Schieflage zum See runter. Dort angekommen stellten wir uns irgendwo auf die Wiese und genossen die frische Luft und die Ruhe. Ab und zu kamen Kühe, Pferde oder Reiter vorbei. Da es früh in der Saison war, standen noch nicht viele Jurten und das Wetter spielte auch verrückt. Jeden Tag gab es Gewitter, mal nur in der Ferne, oft aber auch direkt über uns. Dann konnte es auch vorkommen, dass nach 15 Minuten Hagel der Boden komplett weiss war.

Schöner Platz in der Nähe des Sees
Eine Gewitterfront zieht ab

Und noch etwas, auf diesen Wiesen wachsen tausende von Edelweissen, es ist nicht so wie bei uns, wo man sich über jedes einzelne freut und pflücken nicht erlaubt ist.

Nach ein paar Nächten kam Helen mit ihrem Pferdetrekking an, die ganze Gruppe hatten wir schon bei Yann in Rot-Front kennengelernt. Es gab ein freudiges Wiedersehen und Mattis wurde von den Mädels umgarnt. Auch bei den Einheimischen stand er hoch im Kurs. Wir stellten uns mit Emma direkt neben die Gästejurten und wurden auch von der Familie aufgenommen.

Unser Stellplatz neben den Jurten, im Vordergrund sieht man die vielen Edelweisse

Am nächsten Tag reparierte Johannes einige Sachen für die Familie, worüber sie richtig froh waren.

Die Tür der Dusche wird fertig gestellt
Eines der Kinder der Familie
Die Stuten werden für die gesunde Stutenmilch gemolken

Zudem konnten wir auch zuschauen, wir ein Schaf geschlachtet und ausgenommen wurde.

Alles vom Schaf wird verwertet

Wir durften uns auch in den Jurten aufhalten, wo tagsüber gegessen und bei einem Gewitter Unterschlupf gesucht wird und nachts die Decken ausgerollt werden, um zu schlafen. Am nächsten Tag organisierte Yann für seine Touristengruppe Reiterspiele, wo zwei Gruppen gegeneinander spielen und versuchen, ein totes Schaf in ein Loch zu werfen. Die kleinen Jungs zeigten uns ihre Ringerkünste vor.

Kleine Pause zwischen den Spielen
Gross und Klein kam, um die Reiter anzufeuern
Auch Mattis schaute warm eingepackt zu

Als es langsam Abend wurde, kam endlich unser lang ersehnte Besuch, Oma Ingrid und Opa Jürgen, welche wir mit ihrem Unimog im Iran kennengelernt hatten. Mit dabei war ein Steyer mit Hartmut und Gerti, welche sie kurz davor kennengelernt hatten. Es gab ein freudiges Wiedersehen und wir beschlossen, zusammen mit den französischen Gästen in der Jurte zu essen. Dazu musste aber erst noch die Chefin der Jurten, Babuschka (Oma), gefragt werden. Da sie uns mochte sagte sie, dass unsere Freunde auch ihre seien und sie bekamen die Erlaubnis. Es wurde ein gemütlicher Abend, aber für Ingrid und Jürgen leider eine kühle Nacht (auf 3000 m.ü.M. ohne funktionierende Heizung), so dass sie keine weitere Nacht mehr in der Höhe verbringen wollten. Am nächsten Tag war geplant, früh los zu kommen, leider ging zu der Zeit ein heftiges Gewitter nieder und der Unimog sprang nicht an, er hatte wieder das alt bekannte Problem aus dem Iran. Während den nächsten zwei Stunden versuchten sie, den Unimog zu starten und endlich, nach dem Mittag ging es los.

Wir wollten eigentlich los, aber dann kam ein Gewitter und nachher war alles weiss und nass

Wir hatten beschlossen, den gleichen Weg wieder herunter zu fahren und es gab einige kritische Passagen, da der Boden infolge des starken Gewitters aufgeweicht war. Sobald wir dann im Canyon angekommen waren, war es ein entspanntes Fahren. Über die Holperpiste ging es dann wieder über den Pass bis nach Kochkor, wo wir auf einem Parkplatz übernachteten. Am nächsten Tag machten wir uns auf zum Issy Kol, der auf 1600 m.ü.M. liegt und zum zweitgrössten Süsswassergebirgssee der Welt zählt. Wir fanden ein geschütztes Plätzchen unweit des Wasser und abends gesellten sich auch Sven und Martina zu uns.

Unser Camp am Issyk Kol
Besuch bei Oma und Opa

Abends kochte jeder etwas und dann assen wir alle zusammen jeder von jedem. Wir genossen die Tage mit kleinen Servicearbeiten, diskutieren, baden im See und der Seele baumeln lassen. Niemand wollte wirklich weiterreisen, doch nach vier Tagen verzettelten wir uns wieder in verschiedene Richtungen. Für uns ging es entlang des Sees weiter nach Osten. Die zwei folgenden Nächte verbrachten wir in einem kleinen Städtchen, da wir einiges zu erledigen hatten. Am zweiten Morgen stellten wir fest, dass bei einem Dachfenster Wasser rein tropft, weshalb wir beschlossen, die Fugen und den Anstrich auf dem Dach zu erneuern, was sowieso für dieses Jahr angestanden war. Auf dem Weg nach Karakol verbrachten wir noch eine zwei stündigen Wanderung im Fairy Tale Canyon, wo interessante, rote Felsformationen zu bewundern waren.

Wir stiegen auf eine kleine Erhöhung, wo wir einen tollen Blick über die rote Landschaft hatten
Auch dem kleinen Mann machte die Wanderung Spass

Die Südseite des Sees erinnerte uns stark an den Iran, grün ist es nur wo Menschen leben, ansonsten ist es ziemlich trocken. Im Hintergrund ist jedoch schon die Subalpine Zone mit Nadelbäumen und grünen Wiesen zu erkennen, bevor die hohen Berge des Tiang Chan kommen. Abends kamen wir dann in Karakol an und stellten uns an den Stadtrand. Es dauerte nicht lang, und schon kamen ein paar Angetrunkene zum Smalltalk vorbei. Spätabends wollte uns auch noch der Nachbar einladen, glücklicherweise hatten wir Mattis als Ausrede. Am nächsten Tag kam der Nachbar wieder vorbei und lud uns zu Tee ein. Er bot uns dann auch an, dass wir uns auf sein Grundstück stellen können, was wir dankend annahmen, da immer wieder Betrunkene vorbei kamen. In aller Ruhe arbeiteten wir am Dach, gingen zwischendurch auf den Basar, wurden zum Essen eingeladen oder bekochten unsere Gastfamilie. Den letzten Tag verbrachten wir bei ihrer Dacha, wo mehrere Familien zusammen kamen und wir miteinander assen und kochten und die Kinder draussen spielten. Wir blieben gleich noch die Nacht über dort, denn es war schön ruhig in der Bergwelt.

Als wir ankamen gab es erst einmal Essen und Tee…
…und erst dann wurde richtig gekocht

Der nächste Besuch stand an, doch davor wollten wir uns noch ins nahe gelegen Valley of Flowers aufmachen. Vorbei am „gebrochenen Herz“ und den faszinierenden roten Felsformationen ging es durch ein enges Tal über Holzbrücken. Wir überlegten eine Weile, ob die Brücken Emma aushalten und schlussendlich entschieden wir uns fürs Fahren.

Am Beginne des Valley of Flowers, eindrückliche rote Felsformationen
Über vier solche Brücken gings…
…und dann standen wir unweit des Wasser im schönen Canyon

Wir blieben für zwei Nächte stehen und unternahmen am nächsten Abend eine Wanderung zu einem Wasserfall. Das ganze Tal war ziemlich touristisch, überall standen Jurtencamps herum und wir kamen uns vor, wie bei uns in einem touristischen Ort, nur dass anstatt Häuser Jurten standen.

Eine Kinderhortjurte

Nach dem Ausflug ging es zurück nach Karakol, wo wir uns auf einem bekannten Overlander Stellplatz niederliessen, direkt bei einem Hotel. Nach der einen Nacht ging es für Johannes nach Bishkek, um den erwarteten Besuch abzuholen und Theres blieb mit Mattis bei Emma.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.