Wenn zwei eine Reise tun

Ja wo bleibt dann der Dritte? Johannes hatte noch einiges am Lkw fertig zu machen, Paul bei seiner Buchanka zu helfen und so beschloss Theres, sich mit Mattis schon früher auf den Weg zu machen, auch damit Mattis die vielen Kilometer holpriger Strassen bis nach Russland nicht in seinem Kindersitz verbringen musste.

Los ging die Reise an einem verregneten Morgen in Kirgistan. Erst mit dem Taxi zur Busstation und von dort aus mit der Marschrutka auf direktem Weg nach Almaty. Die Fahrt verlief entspannt, auch weil gerade vor uns noch ein Mädchen war und die zwei Kinder miteinander spielten, so gut es über die Sitze hinweg ging. Die Nacht über verbrachten wir in Almaty, wo wir ein Zimmer für uns hatten. Im Hostel waren vor allem Einheimische unterwegs und es war auch nicht ganz klar, wer zum Personal gehörte und wer einfach nur Dauergast war. Aber alle waren sehr hilfsbereit. Am Abend sind wir noch mit dem Bus ins Zentrum gefahren, alles kein Vergleich zu Bischkek, wo wir die letzten Monate verbracht hatten. Es gibt ein Bussystem (in Bischkek fahren hauptsächlich Marschrutkas), die Luft war „angenehm“, da es wenig alte Autos hat und vieles ist restauriert und neu hergerichtet. Mattis haben es dann die unzähligen Springbrunnen angetan, zum Glück war es noch zu frisch zum Baden.

Wow, faszinierend wie das Wasser in die Höhe spritzt

Am nächsten Tag hatten wir noch genug Zeit, bis die Reise weiterging, so liefen wir zu einem nahegelegenen Park, wo wir ein paar Stunden auf dem Spielplatz verbrachten. Zurück im Hostel wurden wir noch verköstigt und gut gestärkt ging es dann mit dem Taxi zum Bahnhof. Wir hatten uns schon mit Essen für die Fahrt eingedeckt und kauften auf dem Bahnhof nochmals ein paar riesige Äpfel aus Almaty.

Vollbepackt kurz vor der Abfahrt in Almaty

Wir hatten für die Fahrt online noch eines der letzten Tickets für das Erdgeschoss ergattert. Für die Zugfahrt hatten wir uns für die 3. Klasse entschieden, da es sich um einen offenen Wagon handelt, bei welchem es rechts vom Gang ein offenes 4er Abteil gibt, wobei zwei oben schlafen und zwei unten. Wir hatten unseren Platz links vom Gang, wo länglich immer zwei Plätze angeordnet sind, einer schläft unten und einer oben.

Blick von unserem Platz aus
Und so sah es aus, wenn Mattis geschlafen hat

Der Wagon wurde vollgestopft und verschiedene Ethnien (im Ganzen Zug war eine Gruppe Gastarbeiter aus Tadschikistan unterwegs, die angeführt von einer Frau 1.5 Waggons besetzten) und Männer und Frauen, Jung und Alt trafen aufeinander. Jeder richtete sein Bett her und während den nächsten 37 h war dies unseres. Eine grosse Spielwiese untertags und ein enges Bett für zwei nachts. Und so tuckerten wir von Almaty östlich an die russische Grenze und über Barnaul bis nach Iskitim. Die Reise im Zug war lang, manchmal anstrengend aber eine auch nicht minder interessante Art, mit all den Leuten in Kontakt zu kommen. Mit Mattis an der Hand ging es sowieso einfacher und froh war ich oftmals um die Mitreisenden, die ihn ab und zu ablenkten, ihm ein Lächeln entlockten oder wie die zwei Babuschkas uns gegenüber, die auch Zeit mit ihm verbrachten, ihn mit allerlei Leckereien fütterten und ihm Unterhaltung boten.

Mattis geniesst die Zeit bei den Babuschkas

Drei Mal am Tag hielt der Zug auch für länger und auf dem Perron hielten Verkäufer allerlei an Reisenahrung, wie auch frische Schaschlicks, Gebäck und Salate feil. Wir nutzten die Pausen um wieder Energie zu tanken, ein paar Schritte zu machen und natürlich auch frisches Essen zu kaufen.

Sobald der Zug hielt, verliessen die meisten den Zug, um sich zu verpflegen
Gleichzeitig wurden während den Pausen alle Bremsen kontrolliert

Während der Fahrt kamen immer wieder Verkäufer und Verkäuferinnen durch die Waggons und hielten diverse Waren feil. Erst kam der Zeitungsverkäufer, dann die Fischverkäuferinnen, die nach dem 10. Mal durchlaufen plötzlich auch noch Fischeier zum Verkauf anboten und nach dem 15. Mal anfingen, ihre erwirtschafteten Tenges und Rubel wieder zu tauschen.

Riesige getrocknete Fische wurden angeboten

Nahe der Grenze wurde es dann ganz hektisch, teilweise versuchten drei Frauen gleichzeitig, Cognac und Vodka zu einem Spottpreis loszuwerden. Erst hielten sich alle zurück und dann wurde fleissig gekauft. Am Schluss hatten die zwei Babuschkas zusammen sicherlich 20 Flaschen Alkohol im Gepäck. An der Grenze wurde es dann wieder anstrengend. Da sich der Zug nicht bewegte und sowieso keine Klimaanlage installiert war, wurde es so richtig heiss. Allen lief der Schweiss nur so runter und wir hatten je 1.5 h auf jeder Seite auszuharren. Für Mattis war der kasachische Grenzübertritt das Highlight, kam doch plötzlich sein geliebter Sabaka (Hund) vorbei und als dieser noch auf die Betten springen musste, um allfällige Drogen zu erschnüffeln, konnte er sich vor Freude nicht mehr halten und jauchzte wie verrückt - zur Freude aller Mitreisenden. Auf der russischen Seite war dann nochmals Hektik angesagt, da sie ein Dokument von Mattis vergassen zu stempeln und erst mit grossem Nachdruck konnte der Stempel dann bei den Grenzern, die schon ausgestiegen waren, erlangt werden. Als dann die Grenze vorbei war, ging es auch zügiger voran und wir sehnten uns schon nach dem Aussteigen. In Iskitim verliessen wir dann als eine der Wenigen früh morgens denn Zug und da es noch einige Zeit ging, bis die Marschrutka fuhr, machten wir es uns im Stadtpark auf dem grossen Spielplatz gemütlich. Um 11.00 ging es dann weiter nach Zavyalovo, wo wir nach 1.5 h endlich beim Haus von Dima und Alia und ihren Kindern Vera und Mira ankamen, wo wir die nächsten Tage bis zur Ankunft von Johannes verbringen wollten.

Hier ein Blick zum Haus, im Vordergrund das Häuschen, welches Dima gerade aus gebrauchtem Material am Aufbauen war

Und es gab einiges zu tun bei der Familie. Mattis genoss die nächsten 10 Tage, andere Kinder um sich zu haben und Theres versuchte nebst Kinderbetreuung noch andere Arbeiten zu erledigen. Da es morgens erst nach 9 Uhr Frühstück gab, Mattis jedoch meist früher wach war, gingen wir oft auf einen kleinen Spaziergang. Am anderen Ende des Dorfes gab es eine kleine Bäckerei und wir konnten es uns nicht nehmen, die verschiedenen Gebäcke zu probieren. Während fünf Tagen war eine weitere Volunteerin anwesend, Lucille, die aus Frankreich kam. Zusammen schliefen wir in der Jurte und da es nachts manchmal noch richtig kalt war, musste oftmals im Ofen ein Feuer gemacht werden, um einigermassen schlafen zu können.

Für Mattis war es ein Paradies, mit all den Kindern spielen zu können
Und wenn alle beschäftigt waren, gabs ja noch den Hund vom Nachbar

Um den ganzen Aufenthalt abzukürzen, hier nun das, was uns in Erinnerung bleiben wird. An einem Nachmittag ging Theres mit Alia und 7 Kinder in den Wald, um Schoggibananen zu machen. Ein weiteres Highlight war der Geburtstag von Vera, für welche extra ein kleiner Kindergeburtstag mit verschiedenen Aktivitäten organisiert wurde. Sogar Mattis machte so gut es ging mit.

Jeder suchte für sich die schönste Verkleidung aus
Um dann für das Gruppenfoto zu posieren

Da Alia im nächsten Dorf Englisch unterrichtet, hatte sie zweimal einen Nachmittag organisiert, wo die Kinder Pizza backen konnten und nebenbei spielerisch Englisch lernten. Es war eine schöne und interessante Zeit mit den Kindern, auch um zu sehen, dass viele auch nach 8 Jahren Englisch nicht im Stande waren, einen einfachen Satz über die Lippen zu bringen. Und doch waren die Kinder wissbegierig und versuchten nichts desto trotz einige Englische Wörter zu gebrauchen.

Fleissig werden Pizzas gebacken
Anschliessend machten wir spiele, wie früher bei den Pfadfindern
Und besichtigten den nahegelegenen Strand

Am Schluss gab es nochmals einige kalte Nächte und wir zwei waren dann froh, als Johannes uns mit dem Lkw abholte und von nun an Russland wieder zu dritt unsicher gemacht werden konnte.

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