Sandkasten im Männerformat

Um es mal schnell runterzubrechen – ein solcher Sandkasten ist natürlich unmöglich aus eigener Kraft zu erbauen, auch kann man es lieber gleich lassen, alle seine Freunde zusammen zu trommeln, weil es wohl auch mit ihnen nichts werden würde. In unserem Fall die Wüste Lut!

Beeindruckend, wie die Wüste vor einem liegt!!!

Schon vor dem Iran war die Lut fest auf unserem Plan, zwar wussten wir noch nicht viel über die Wüste und auch nicht, welche Runde es werden sollte, aber wir hatten noch genügend Zeit, um Informationen einzuholen. Auch macht man eine Wüstentour nicht leichtfertig einfach mal so, sondern schaut, dass man sich gegenseitig helfen kann, wenn es darauf ankommt – so war von Anfang an geplant, die Lut mit Tino, Tina und Alex zu durchqueren!!! In Yazd sind wir auf die andere Bande gestossen und von da an ging es auch los mit der Planung, bzw. zuerst Infos sammeln. Als wir in Kerman angekommen sind, waren wir soweit, dass es ohne Guide nicht mehr erlaubt ist, die Lut zu befahren, da sie zum einen seit Anfang 2016 ein UNESCO Weltkulturerbe ist, zum Anderen liegen Landminen zur Bekämpfung von Schmugglern in der Lut, welchen man leider immer wieder jährlich mehrere unwissende Todesopfer zuschreiben muss!!! So wurde uns die Entscheidung abgenommen und wir sind auf iranischen Wegen (um 1000 Ecken und mindestens über 10 andere Iraner) an Arman geraten. Ein junger Familienvater, der eine Wüstenguide Ausbildung absolviert hat und sich in der Lut bestens auskennt. Perfekt – noch schnell um den Preis gefeilscht, alle Vorräte, Wasser und auch Diesel aufgefüllt und nach einer Nacht in Kerman konnte es los gehen. Ha, waren wir aufgeregt!

Das Team: Links Alex mit Familie mit ihrem aufgerüsteten MB 1017er, in der Mitte Arman und Darius in einem passend zur Wüste umgebauten Toyota Hilux und rechts wir mit Emma

Am folgenden Tag sind wir zuerst alleine gefahren. Es ging von Kerman über einen Pass nach Schahdad, wo wir nochmals unsere Dieseltanks voll gemacht haben und von dort aus in das Gebiet der berühmten Kalouts. Das sind Felsformationen, welche alle eher schmal und länglich sind und alle infolge Erosion gleich ausgerichtet sind. Eigentlich kaum zu glauben, wenn man es nicht selbst gesehen hat. Dort verbrachten wir eine weitere Nacht, um am nächsten Morgen Arman zu treffen, mit welchem wir abgemacht hatten, vier Tage in der Lut zu verschwinden.

Pünktlich um 10 Uhr stand Arman mit seinem Freund Darius im Auto da, um uns abzuholen. Darius wurde ebenfalls unser Begleiter für die kommenden vier Tage. Es hiess abfahrfertig und ab die Post. Auf der asphaltierten Straße ging es noch ungefähr 80 km weiter, bis wir in einem guten 90 Grad Bogen von der Straße abzweigten und dann im Schotter standen. Vier Kilometer später hielt Arman an und meinte, wir können nun die Luft ablassen – gesagt getan. Von satten 6 bar runter auf nur noch 1.5 bar! Arman war nach 5 Minuten fertig – die Lkws brauchten ca. 50 min!!! Und weiter ging es – es standen noch 100 km auf dem Plan. Der Anfang liess sich noch gut fahren, aber dann wurde das Gelände immer mehr von Stufen durchzogen, ausgetrocknete Bachbetten kamen uns in die Quere und und und, so dass wir gezwungen waren, die restliche Strecke mit ca. 30 km/h zu bewältigen. Aber Arman kannte die Gegend sehr gut – er sorgte so gut es ging für fahrerische und noch viel besser für optische Highlights!!! Es ging hier runter, da hoch, da rüber und zurück. Man sah das kleine Auto da und dort – was man immer sah, waren auf jeden Fall drei riiiiiiiiiiiesige Staubwolken!!! Und so schafften wir am Ende des Tages auch die 100 km Wüsten Durchfahrt, welche mehr durch Schotter als durch Sand ging, aber am geschützten Schlafplatz konnten wir bereits riesige, hohe Dünen in der Ferne sehen. Bei gutem Essen und einem Feuer hatten wir auch noch das Glück, einen Wüstenfuchs anzutreffen und liessen den Tag in der Einsamkeit ausklingen.

Mit wenig Luft im Reifen geht es super durch den Sand
Und auch Tino lernt das Fahren
Leider neigt sich jeder Tag dem Ende zu

Am nächsten Tag ging es früh weiter – bereits um acht Uhr hatten wir alle gefrühstückt und erledigten noch Kleinigkeiten an den Trucks, bevor es weiter ging!!! Motoren anwerfen, ein wenig laufen lassen und ab die Post – nun mussten wir aus dem grossen Kessel, in welchen wir gestern gefühlt senkrecht eingefahren sind, wieder raus. Arman wusste genau wo … ein bisschen Weichsand hier, ein bisschen Weichsand da, aber den Buckel rauf und über den Rand. Einige Kilometer weiter in der eher öden Steinwüste kamen wir endliche zu riesigen Sanddünen und Arman hatte auch schon ein Grinsen im Gesicht. Es ging um die eine Düne und um die andere, dann hielt er an und meinte nur: „We want to go there!“ Wir folgten mit unseren Blicken und dachten: „Keine Chance!!“, da war er schon wieder im Auto und brezelte eine 30 m Düne hoch. Im Funk hörten wir sofort Alex:“Ich verspreche euch, da fahr ich garantiert nicht hoch!!!“ Wir stiegen aus, auch Alex kam aus dem Lkw raus und wir begutachteten den Anstieg. Arman war schon wieder zurück und fuhr mit uns zusammen nochmal die Dünen hoch und runter und nochmal … Wir sahen von Anfang an wenig Chancen, die Düne zu überfahren, da im oberen Drittel, wo dem Fahrzeug langsam der Saft fehlte, auch noch weicher Sand war. Aber wir probierten es beide – dritter Gang, volles Rohr, langsam aber stetig, erster Gang, volles Rohr und und und. Sechs Versuche ohne Ergebnis – macht nichts, es war ja nicht der einzigste Weg und Arman fuhr mit uns die Rentnervariante, worin wir aber richtig gut waren. Es ging noch weitere 5 bis 10 km durch die Weiten des Sandes, durch riesengroße Talsenken, auf Sandkämme empor und durch Weichsand durch. Hier ein Feld da ein Feld – schnell durch. Alles lief super und es machte richtig Spass. Man fühlte sich wie am Ende der Welt und dies mitten im Nichts. Nichtsdestotrotz musste es ja irgendwann passieren – und auch noch genau am Ende. Johannes grub sich beim Rangieren auf dem Übernachtungsplatz ordentlich ein und so mussten Schaufeln und Sandbleche auch mal in der Wüste benutzt werden.

Tag Zwei – nur noch  Sand
Durch Funk halfen wir uns gegenseitig durch den Sand zu kommen
Es liess sich am Ende des Tages doch nicht vermeiden – kritischer Blick des Fahrers

Den restlichen Tag hatten wir Zeit, die Gegend zu Fuß zu erkunden, einen ausgedehnten Mittagsschlaf zu machen, oder wozu jeder Lust hatte. Tino, Alex und Johannes nutzten die Zeit, um Sanddünen zu erklimmen. Das Ziel war natürlich die höchste weit und breit. Und es gelang den drei Jungs, oben anzukommen – die Aussicht war atemberaubend. Eine erwachsene Dünen Landschaft – kaum eine Düne war weniger als 100 m hoch. Und das runter Rennen bereitete den Jungs noch viel mehr Spass, als das hoch Wandern. Abends gab es dann einen leckeren Eintopf über dem Feuer zubereitet.

Traumhaft schön – die Wanderung auf den Sanddünen. Hier macht man jeden Schritt zweimal – Alex genießt die Ruhe

Und so ging es nach einer totenstillen Nacht weiter. Arman machte am Morgen Frühstück. Es gab sein spezial Spiegelei direkt vom Feuer!! Und es schmeckte suuuuuper. Nach der Stärkung strotzten alle vor Energie für den bevorstehenden Tag. Wir verliessen die Dünenlandschaft wieder und durchquerten die Lut mehr oder weniger einmal komplett. In der westlichen Hälfte der Lut war das Landschaftsbild wieder ein komplett anderes, als wir es erwartet hatten. Aus dem Sand ragten Felsformationen, welche auf bizarre Art und Weise vom Wind bearbeitet wurden und somit die Landschaft zu einer ganz besonderen werden liessen. Nach dem Mittagessen in diesen Formationen ging es weiter durch enge Wege entlang in Canyons. Es war super und wir genossen alle die Landschaft. Beim Nachtlager angekommen wurde beschlossen, dass wir heute Abend ein frisches Brot backen wollten, zusammen mit ausgebackenen Falafel und einem großen Salat. Es versteht sich von selbst, dass wir das ganze Menü über dem Feuer machten. Und es war ein Gaumenschmaus … alle liessen es sich schmecken und es war ein schöner, letzter Abend mitten in der Wüste!!!!

Arman macht Frühstück für alle – wir mussten nur genießen
Sand soweit das Auge reicht
Und wieder raus aus dem Sandkasten – das Landschaftsbild wechselt schnell
Bizarre Steinformationen inmitten der Wüste – sie galt es zu durchfahren!!
Arman kannte sich natürlich bestens aus und wusste auch, wo man mit den grossen Lkws entlang fahren kann
Leckeres Brot am Feuer gemacht – der letzte Abend war super

Am Nächsten Tag galt es wieder die 100 km Steinwüste hinter sich zu bringen, um wieder den Weg in die Zivilisation zurück zu finden. Mit Arman natürlich kein Problem. Während des Aufpumpens unserer riesigen Reifen, gab es ein schnelles Mittagessen und Arman wollte uns noch einen schönen Platz zum Übernachten auf dem Heimweg zeigen. Unterwegs wurden wir von einer Militärkontrolle gestoppt, welche Arman kurzerhand einpackte, um alle Bewilligungen zu kontrollieren. Es ist eben doch kein Ammenmärchen, dass man für die Lut spezielle Bewilligungen benötigt.

Ein Canyon – mitten in der Wüste scheint er diese in zwei zu teilen
Die zufriedenen Männer am Ende der Tour …

Es waren vier tolle Tage und wir haben ein sehr eindrückliches Bild der Wüste Lut bekommen. Auf diesem Weg nochmal ein Danke an Arman und Darius und wir hoffen, dass wir uns irgendwann wieder sehen!!! Wir können es nur jedem empfehlen, diesen Abstecher zu wagen, wenn man schon einmal im Iran unterwegs sein sollte. Die Vielfalt und die Abgeschiedenheit sind nur schwer in Worte zu fassen. Auch der nächtliche Himmel ist bei weitem keine Normalität, wie er vor Sterne strotzt, da weit und breit keine störenden Lichtquellen vorhanden sind!!!

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