Durch den Altai

Los ging die Reise für alle drei kurz vor Novosibirsk, wo Johannes nach der anstrengenden Fahrt durch Kasachstan den Rest seiner Familie abholte. In Novosibirsk standen wir direkt am Fluss und hatten einen super Blick auf die riesige Stadt. Wir trafen auch noch unsere zwei Freunde aus Bishkek, Janina und Marco, welche zwischenzeitlich mit ihrem Landrover in der Mongolei waren und uns nur Gutes zu berichten hatten.

Im Hintergrund sieht man ans andere Ufer des Flusses Ob

Wir besuchten auch Marcel, der mit Johannes und Paul nach Novosibirsk gefahren war, bei seinen Verwandten. Sie waren erst vor kurzem noch Novosibirsk gezogen und hatten vorher in der Nähe von Jarkutsk gewohnt, einem der kältesten Orte der Welt. Sie zeigten uns Bilder aus ihrer alten Heimat und von der Strasse nach Magadan, welche unsere Abenteuerlust wieder angeregt hatte, doch wir verschoben die Idee, Magadan zu besuchen, auf ein anderes Jahr.

In der guten Stube bei den Verwandten von Marcel

Kurz hinter Novosibirsk gab Paul seine Buchanka für ein paar Tage zum tunen und Mattis und Theres verbrachten die Zeit mit spazieren durch die Birkenwälder und ein Abend beim Spielen mit den Kindern des Chefs.

Es gab Birken, so weit das Auge reichte
Die einen Garagen werden privat genutzt, in anderen befinden sich Geschäfte

Johannes und Paul hatten zwischenzeitlich mit einem Russen angebandelt, der detusch sprach und die zwei den ganzen Tag mit Essen, Vodka und Cognac versorgte.

Kurz bevor es für die Zwei in die Banja ging

Und dann ging es endlich los, wieder Richtung Süden nach Barnaul. Als wir auf dem Parkplatz des Baumarktes standen, kam plötzlich ein weiterer Camper, wobei es sich um Axana und Vladimir handelte, zwei Russen, die in ihrem Bremach verschiedene Länder bereisen. Wir verbrachten den Abend zusammen am riesigen Fluss Katun und verabredeten uns wieder für die nächsten Tage. Für uns hiess es am nächsten Tag einzukaufen und wir trafen eine österreichische Familie, die auch mit einem Jungen reiste, so konnten die Kinder miteinander spielen.

In Barnaul gingen wir noch in einer Stalovaja essen und durften auch einen Teller für die Gastwirtin kreiren

Wir entschieden uns am nächsten Tag, nochmals eine Nacht am Fluss Katun zu verbringen und am späten Nachmittag besuchte uns Vladimir mit seinem Freund Slava. Im Gespräch kamen wir dann darauf, dass die Drohne von Paul kaputt war und Vladimir organisierte uns die Reparatur in Novosibirsk. Bei Emma ist in Kasachstan das linke vordere Radlager kaputt gegangen und da das Schicken der Ersatzteile aus Deutschland nicht funktionierte, waren wir froh, dass Slava uns ein Ersatzteil organisieren konnten (was wir in Novosibirsk in der offiziellen MB Niederlassung nicht geschafft hatten). Am nächsten Abend entschieden wir uns dann, der Einladung zu folgen und bei Slava auf dem Grundstück zu parken. Abends gab es eine erfrischende Banja und anschliessend leckeres Essen vom Grill. Dazu schauten wir verschiedene Videos von Slava aus dem Altai und von seiner ehemaligen Offroadkarriere an. Verrückte Sachen hatte er früher gemacht (und macht er wohl immer noch). Johannes entschied sich dann, am folgenden Tag nochmals ins reparierte Radlager zu schauen und recht hatte er, es war wohl zu locker eingebaut. Mit Hilfe der fachkundigen Unterstützung von Slava hat es Johannes dann gut einbauen können.

An einem kühlen Sonntag Morgen wird das Radlager repariert und alle helfen mit

Es gab nochmals einen gemütlichen Abend und am nächsten Tag fuhren wir endlich Richtung Altai. Zwei Tage später holten uns dann Vladimir und Axana wieder ein und brachten uns die reparierte Drohne und ein Ersatzteil mit. Richtig nett waren die Zwei, nur leider happerte es mit der Sprache, da sie ausser Russisch nichts sprachen. Alle zusammen hatten wir einen super gemütlichen Abend am Feuer mit Spagetthi und Bärlauchpesto. Wir blieben nochmals einen Tag und wuschen Kleider, kochten mit dem Dutch Oven und spielten mit Mattis.

So sah unser kleines Camp im Wald aus

Dann ging es nach Gorno Altaisk, wo die Männer arbeiten und Theres und Mattis in die Stadt gingen, um allerlei Kleinkram zu besorgen. Abends wollte dann Johannes nochmals die Radlager prüfen und siehe da, dieses Mal war das vorne rechts locker. Wir malten uns schon aus, was wäre, wenn dies nun auch kaputt wäre... Plötzlich hielt ein Auto und Hermann und Juri stiegen aus und nach 20 Minuten entschlossen wir uns, zu Juris Datscha zu fahren, wo eine aufgewärmte Banja wartete. Hermann ist in Kazachstan geboren, hatte zwischenzeitlich 20 Jahre in Deutschland gelebt und wollte nun mit seiner Familie ins südlichste Altai auswandern und eine Gemeinschaft gründen. Eine spannende Geschichte und gerne hätten wir ihn besucht, leider braucht man für diese Region infolge Grenznähe zu China ein Permit. Am darauffolgenden Tag ging es nach einem reichhaltigen Frühstück zum Checken und Anziehen des rechten Radlagers und gegen Abend konnten wir die Fahrt durch den Altai fortsetzen. Es ging durch eine wunderschöne und sehr abwechslungsreiche Landschaft.

Ausblick von einem Pass auf die gefahrene Strasse
Ab und an gab es auch wunderschöne Exemplare der asiatischen Trollblume zu bewundern

An einem Übernachtungsplatz war die Strasse in einem super Zustand, so dass wir abends mit dem Longboard noch ein wenig über die Strasse kurvten. Am nächsten Morgen gingen Johannes und Theres mit Mattis noch eine Route klettern und als wir wieder zurück bei Emma waren, kam ein starkes Gewitter und wir machten uns so schnell wie möglich wieder auf die Strasse. In Aktasch, einem grösseren Dorf, füllten wir unsere Essensvorräte auf und am darauffolgenden Tag ging es in ein Seitental.

Unterwegs machten wir auf einem Pass, bei einem heiligen Ort der Altaier, Halt

Die Strasse führte uns durch eine wunderschöne Moorlandschaft und der See war noch grösstenteils mit Eis bedeckt, obwohl wir gefühlte 15 Grad Lufttemperatur hatten. (Es sah so aus, als sei der Frühling erst gerade eingetroffen, denn als wir 4 Tage später wieder zurückfuhren, war das Eis fast verschwunden).

Hier der See mit Eis

Nach 80 km und einigen Stunden Fahrt kamen wir oberhalb eines Canyons an und genossen erst einmal die atemberaubende Aussicht und die Abendstimmung. Für den nächsten Tag stand die Fahrt in den Canyon an. Das Schild mit 6 t ignorierten wir und fuhren nun über die enge, teils ziemlich steile Strasse bis auf den Talgrund. Auf dem Weg passierten wir einige Autowracks, doch für Emma war die Strecke kein Problem. Paul beschloss dann, noch weiter dem Tal entlang zu fahren und wir fuhren die kurvige Stecke wieder hinauf. Wir waren froh, oben wieder heil angekommen zu sein und hatten wieder einmal Zeit, für einen Familiennachmittag mit spazieren und Drachen steigen lassen.

Dies war die besagte Passstrasse…
Adler kreisten dicht über unseren Köpfen

Abends kamen dann Axana und Vladimir mit ihrem Freund Schenja vorbei.

Gemütliches Zusammensein mit unseren russischen Freunden

Am nächsten Morgen kam Paul auch schon wieder zurück, mit dabei Pierre, ein französischer Fahrradfahrer, der dank der Holperstrasse und Regenwetter nicht mehr ohne Schmerzen auf seinem Fahrrad sitzen konnte. Unsere russischen Freunde hatten in den Bergen noch eine Verabredung und wir trafen sie dann wieder am nächsten Tag, wo sie sich schon ein kleines Camp eingerichtet hatten. Und dabei durfte natürlich die Banja nicht fehlen. Sogleich nach unserer Ankunft wurde eingeheizt und alle wurden wieder bis auf die letzte Pore sauber. Zum Abschluss des Tages kochte Johannes eine leckere Lasagne für alle. Auch am nächsten Tag kamen wir nochmals in den Genuss einer Banja. Den Tag durch machte jeder, worauf er Lust hatte, beim Mattis war dies zum Beispiel mit Paik (dem Hund) spielen und den Kälbern nachlaufen.

Mattis und die Kälber
Bei einer Wanderung fanden wir noch diese wunderschönen Pflanzen

Am nächsten Tag hiess es dann endgültig von unseren drei russischen Freunden Abschied zu nehme und für uns ging es weiter durch den Altai nach Kosch Agatsch. Dort machten wir für Paul eine Werkstatt ausfindig, in welcher er am nächsten Tag einige Arbeiten verrichten liess.

Auch Johannes erledigte noch einige Arbeiten, mit grosser Unterstützung von Mattis

Abends kam dann Pierre wieder zu uns, er wollte der russischen Grenze entlang fahren, wurde aber vom KGB nach 40 km Fahrrad fahren zurückbeordert, da er kein Permit hatte. Also genossen wir nochmals einen lustigen Abend mit ihm, bevor wir ihn dann endgültig verabschiedeten.

Die Berge hatten wir hinter uns gelassen und wir befanden uns in der weitläufigen Steppe

Wir deckten uns nochmals mit allerlei an essbarem ein und fuhren abends zur Grenze, die wie angenommen zu war. Wir wollten am nächsten Tag die ersten sein und suchten uns dann unweit der Grenze ein Nachtplatz. Nur dumm gelaufen, da alles überwacht wird und nach 30 Minuten kam ein Grenzbeamter und machte uns darauf aufmerksam, dass wir hier ohne Permit nicht die Nacht verbringen können (und vor einem Tag hatten wir noch mit Pierre über seine Geschichte gelacht...). Glücklicherweise war unweit von uns ein Hotel und damit wir in der Dunkelheit nicht mehr in die letzte Stadt zurück mussten, buchten wir uns ein Zimmer.

Kurz bevor der Grenzbeamte kam, genossen wir noch die Abendstimmung

So waren wir am nächsten Tag beizeiten an der Grenze und nach einer Stunde bekamen wir den Ausreisestempel in unseren Pass gedrückt und fuhren die nächsten 20 km durchs Niemandsland, bis wir endgültig Russland verliessen.

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